
Schneller als der Stau: Warum das Rad in der Stadt die Uhr schlägt
Das Auto galt lange als König der Mobilität. Doch in deutschen Städten dreht sich das Blatt: E-Bikes und Fahrräder sind oft schneller am Ziel als Autos im Stau. Ein paar Zahlen, die uns selbst überrascht haben – und zeigen, warum immer mehr Pendelnde auf zwei Räder umsteigen.
Die Stau-Realität in deutschen Städten
Die Zahlen variieren je nach Studie, aber das Problem ist überall dasselbe: Deutsche Autofahrende stehen zu oft und zu lange im Stau. Laut TomTom Traffic Index verlieren Pendelnde in Berlin durchschnittlich 55 Stunden pro Jahr durch stockenden Verkehr, in Stuttgart 53 Stunden und in München 52 Stunden. Bundesweit liegt der Durchschnitt aber selbst mit 40 Stunden sehr hoch. (Quelle: inrix)
Der Grund für die unterschiedlichen Zahlen: Während manche Studien nur die reine Stauzeit messen, berücksichtigen andere auch Verzögerungen durch dichteren Verkehr. Fakt ist: Die Situation wird schlechter. Düsseldorf verzeichnet beispielsweise einen Anstieg von 22 Prozent im Vergleich zu 2023, bundesweit waren es in 2024 3 Stunden mehr als im Jahr davor. Diese Zeitverluste kosten die deutsche Wirtschaft insgesamt 3,2 Milliarden Euro pro Jahr.

München, Hamburg und Berlin: 20 km/h sind keine Seltenheit
In der bayerischen Landeshauptstadt erreichen Autos zur Stoßzeit nur noch 18 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Für eine 7-Kilometer-Strecke durch München braucht ein Auto zur Rushhour etwa 35 Minuten – mit Parkplatzsuche. Mit dem E-Bike schaffen Sie die gleiche Strecke konstant in 20 Minuten.
Berlins Autoverkehr bewegt sich im Berufsverkehr mit durchschnittlich 18,2n km/h.

Radfahrende dagegen rollen konstant mit 15-20 km/h und können Wege ohne Stau und weniger roten Ampeln wählen, also einfacher verstopfte Straßen umfahren. Das macht den Unterschied.
Hamburg zeigt die extremste Variante: Mit 23 Minuten und 50 Sekunden für 10 Kilometer hat Hamburg die niedrigste Autodurchschnittsgeschwindigkeit Deutschlands (Quelle: Spiegel). Hier sind Bikerinnen und Biker oft deutlich schneller.
E-Bikes: der Gamechanger für Pendelnde
2024 wurden über 2,2 Millionen E-Bikes in Deutschland verkauft – mehr als jedes zweite neu verkaufte Fahrrad ist inzwischen ein E-Bike. Der Grund: Eine bahnbrechende Studie der Universität Wuppertal zeigt, dass 63 Prozent der E-Bike-Kilometer Autofahrten ersetzen. Bei normalen Fahrrädern sind es nur 20 Prozent. (Quelle: taz)
E-Bikes fahren bis zu 25 km/h (mit Tretunterstützung) und sind damit in der Stadt oft das schnellste Verkehrsmittel von Tür zu Tür – besonders auf den typischen 3-7 km Strecken, die über 40 Prozent aller Autofahrten in Großstädten ausmachen. (Quelle: Umweltbundesamt)
Heidelberg macht es vor: ein Drittel fährt Rad
Baden-Württemberg zeigt, wie die Verkehrswende funktioniert: 33 Prozent aller Wege werden mit dem Fahrrad zurückgelegt – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2013. Gleichzeitig sank der Autoverkehrsanteil von 29 Prozent (2018) auf 24 Prozent (2023).
Besonders bemerkenswert: 36,8 Prozent der Heidelberger Haushalte besitzen gar kein Auto mehr. Der E-Bike-Anteil stieg dabei von 4,2 Prozent (2018) auf 12,4 Prozent (2023) (Quelle: Stadt Heidelberg)
Die 5-Kilometer-Regel: Hier schlägt das Rad jedes Auto
Das Umweltbundesamt hat es ermittelt: Über 40 Prozent aller Autofahrten in deutschen Großstädten sind kürzer als fünf Kilometer. Genau hier spielt das Fahrrad seine Stärken aus. Während Autos sich durch den Verkehr quälen, fahren Radler direkte Routen.
Plus-Faktoren fürs Rad:
- Keine Parkplatzsuche (spart durchschnittlich 8 Minuten pro Fahrt)
- Direkte Routen durch Radwege und Shortcuts
- Konstante Geschwindigkeit ohne Stau-Stopp
Zeit sparen und gesund bleiben
Neben dem Zeitvorteil bietet das Rad weitere Benefits: Tägliches (E-)Bike-Fahren senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 46 Prozent (Quelle: BMJ). Während Autofahrende jährlich Milliarden durch Staus verlieren, investieren Radfahrende in ihre Gesundheit – und kommen trotzdem schneller an.
Die durchschnittliche Pendelzeit in Deutschland liegt bei 28,3 Minuten pro Strecke. Mit dem Rad lässt sich diese Zeit oft verkürzen – und sinnvoller nutzen (Quelle: allianzdirect).
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